Bewegung erzeugen

Amira-Platz_Blumenauer-Philippe

Über die volkswirtschaftliche Aufgabe des Immobilienmaklers. 

Man könnte sagen, Makler haben eine volkswirtschaftliche Aufgabe, der sich der größte Teil der Maklerschaft aber kaum bewusst ist. Schon gar nicht die Bevölkerung.

Bei näherem Hinsehen wird die Tatsache der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Maklerleistung jedoch klar.

Wer will bestreiten, dass Besitzwechsel und damit Veränderung im Markt immer stattfinden. Insbesondere auch im Hinblick auf die Notwendigkeit zur Mobilität und der Anforderungen, die sich im täglichen Wettbewerb stellen.

Hierbei ist auf das breite Feld der Immobilienwirtschaft zu schauen und nicht oberflächlich nur an Wohnungsvermittlung zu denken.

Viel entscheidender sind die Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit dem Grundbesitz der breiten Masse. 2/3 des deutschen Grundvermögens sind Einfamilienhäuser, Bauplätze, Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser beziehungsweise Wohn- und Geschäftshäuser.

Parallel dazu betreibt jede Firma, jeder Unternehmer sein Geschäft aus irgendwelchen Immobilien. In diesem Zusammenhang ist jede grundsätzliche „Lebensentscheidung“ und damit auch jede unternehmerische Standortentscheidung auch eine Immobilienentscheidung.

Dieser Zusammenhang ist schlüssig und einleuchtend.

Aber, worin steckt jetzt die angesprochene volkswirtschaftliche Aufgabe des Maklers?

Bewegung ist Besitzwechsel. Besitzwechsel findet im freien Spiel der Kräfte nur langsam und zäh statt, wofür es eine Vielzahl von Gründen gibt. Unternehmer, die schon mal selbst auf der Suche nach einem Standort waren, kennen es. Man schiebt die Entscheidung so lange vor sich her, bis sie wirklich dringend wird. Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur bei Suchenden, sondern auch bei Menschen, die ihr Geschäft aufgeben wollen. Weiter ist ein Standortwechsel beispielsweise aus Platzgründen dringend nötig, der aktuelle Mietvertrag läuft jedoch noch 3 Jahre. Die meisten Unternehmer sitzen diese Zeit ab, obwohl es für die Entwicklung des Unternehmens problematisch ist. 

Professionelle Makler leisten hier einen wertvollen Dienst, denn sie tragen durch kreatives Marketing, Vermittlungs- und Verhandlungsgeschick erfolgsabhängig zur Lösung von Immobilien-Problemen bei.

Es ist eine Tatsache, dass in der Zusammenarbeit mit guten Maklern schnellere Lösungen und bessere Ergebnisse erzielt werden. Der zu kalkulierende Maklerlohn spielt dabei eine weniger bedeutende Rolle. Betrachten wir nur die Zeitinvestition und den Vorteil der durch die neutrale Perspektive eines Mittlers in Verhandlungen entsteht, wenn Uneinigkeit zwischen zwei Parteien besteht. Der Verlust, wenn Mietflächen über längere Zeit leer stehen oder verzögerte Unternehmensumzüge, weil die richtige Immobilie noch nicht gefunden ist. Gleichermaßen spielt es sich ab, wenn Vermieter mit zu hohen Mieten in den Markt gehen und ihre Flächen zu lange über den Markt schleifen, sodass sie am Ende an Interessenten vermieten, die dem Quartier schaden oder sogar unterm Marktwert vermieten müssen. Das alles sind Szenarien, aus denen sich weit mehr Verluste ergeben, als die Kosten einer Maklerleistung ausmachen.

Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang, wenn wir uns eine weitere Gesetzmäßigkeit vor Augen führen.

Richten wir den Blick global auf den Immobilienmarkt, so präsentiert sich, je nach Konjunktur, ein breites, manchmal auch weniger breites Immobilienangebot.

Nehmen wir den Immobilienmarkt allerdings selektiv wahr, verengt sich das Angebot erheblich. Schon alleine, wenn wir über bestimmten Anforderungsprofile Suchender Kunden sprechen, oder Ansprüche eines Vermieters an seinen zukünftigen Mieter. Über Branchen, die einem Quartier gut tun und welche nicht, brauchen wir erst gar nicht anzufangen – das wird Thema eines anderen Beitrags.

Auf der anderen Seite wird hier und da von „Überangebot“ gesprochen. Vom Suchenden ist zeitgleich zu hören, dass alles zu teuer ist.

Es ist für uns als Familie in der Beobachtung des Immobilienmarktes über mehrere Jahrzehnte hinweg interessant zu sehen, dass sowohl Verkäufer und Vermieter, als auch Kaufinteressenten und Mieter zu jeder Zeit die Gegebenheiten als problematisch bewerten. Immer fehlt das richtige Angebot, der ideale Interessent.

Hieran hat sich alle Zeit nichts geändert, auch nicht angesichts der Internetportale und neuen Medien. Sie stellen lediglich eine Ergänzung dar. In anderen Ländern der Welt ist die Akzeptanz der Portale noch ungleich größer und dennoch oder auch gerade angesichts der Informationsüberflutung steigt der Ruf nach Dienstleistern, die Begleiter und Vermittler sind, Klarheit schaffen und zum Ergebnis führen. Kreative Unternehmer also, die Lösungen erarbeiten und erfolgreich Abschlüsse vermitteln – das sind traditionell gute Makler. In vielen Ländern der Welt werden in diesem Sinne Immobilienmakler ganz selbstverständlich in Anspruch genommen und gelten als angesehene Dienstleister.

Wir müssen uns daher nicht wundern, wenn bewundernd von der größeren Flexibilität im Ausland die Rede ist. Makler leisten an dieser Stelle einen wesentlichen Beitrag. Auf ein höheres Maß an Beweglichkeit in einem vereinigten Europa haben wir uns einzustellen.

Deutsche Makler könnten, sofern sie denn als wertvolle Dienstleister erkannt werden und sich die Maklerschaft entsprechend verhält, sehr positiv zu dieser Flexibilität beitragen. Denn, Flexibilität scheitert allzu oft an Immobilienproblemen und gute Makler schaffen Lösungen. 

(c) Jil N. Blumenauer – 2018

Facebook
Google+
Twitter
LinkedIn
Pinterest